Aachen – It`s raining men

Das Aachener Rathaus aus meiner Perspektive.

Ich mag mein Heimatstädtchen. Hier ist es beschaulich. Ich kenne jede Ecke und es ist hübsch hier – viel Grün, viel Kultur und eine ganze Menge internationaler Flair dank Dreiländereck, Touristen-Dom und einer ziemlichgroßen Uni mit einer ganzen Menge Studenten aus dem Ausland.

Die RWTH, also die Rheinisch-Westfälische technische Hochschule, lockt dank einer ganzen Reihe ausgezeichneter Studiengänge im Bereich Wirtschaft und Technik sowie Medizin jährlich gefühlt drölf Millionen Erstis aus aller Herren Länder in meine kleine Kaiserstadt. Wenn ich also schon in einer Elite-Unistadt lebe, warum nicht als Erstes mal schauen, was die Heimat so zu bieten hat?

Laut einer alten Legende, setzt sich das Aachener Kanalisationsmonster Bahkauv nachts auf die Schultern betrunkener Männer, um ihnen den Heimweg zu erschweren.

Damit das Ganze auch mit rechten Dingen zugeht, habe ich letzte Woche versucht, Aachen im Tourimodus ganz neu zu entdecken und bin dabei selbstverständlich maximal seriös nach der hochoffiziellen Anton-Skala ans Werk gegangen… (Interesse geweckt? HIER gibt’s mehr dazu).

Also, wie der Öcher sagt – so nennen sich die Aachener selbst, sprich Öööscher – „Isch tu jetzt mal so als würd‘ isch misch hier nisch kennen und frach misch, wat der janze Driss den eijschentlisch soll“  🤣 

Sympathie

Punkt 1 auf meiner Liste: Wie ist der Öscher denn so? Auf jeden Fall äußerst freundlich! Ich weiß, das sagen quasi alle aber der Rheinländer an sich ist da doch noch ein bisschen dem-anderen-zugewandter als der gewöhnliche Freundliche. Hier grüßt sich jeder! Egal ob man sich kennt oder nicht und egal, wie alt man ist oder welchen Status man hat. Einzige Voraussetzung: Man begegnet sich allein.

Also, kurzes Szenario: Ich laufe ein kleines Aachener Gässchen entlang (davon gibt es viele). Es ist noch relativ früh am Morgen und in der Altstadt, dem Aachener Touristenmittelpunkt, ist noch nicht viel los. Mir kommt ein älterer Herr entgegen. Er scheint etwas in Eile, ist gut gekleidet und wirkt etwas mürrisch. Doch sobald wir auf „Passierhöhe“ sind, hebt er den Kopf, schaut mich an und grüßt freundlich „Guten Morgen„. Das gleiche Verhalten begegnet mir auch auf einem Feldweg kurz vor der Stadt. Gleiches Bild, allerdings junger Mann mit Hund anstatt alter Mann im Stress.

Warum Aachener das machen? Keine Ahnung, machen wir einfach. Ich auch. Mir ist im Übrigen nur aufgefallen, dass wir das tun, weil Menschen aus anderen Ecken der Republik das wirklich richtig richtig komisch finden.Meine Kollegin aus dem Münsterland zum Beispiel ist davon hochgradig irritiert. Habt ihr eine Erklärung? Ist das bei euch auch so? Seid ihr ganz anders? Würde mich wirklich interessieren…

Und falls ihr euch fragt: Nein, es ist kein Zufall, dass ich in beiden meiner Beispiele Männern begegnet bin. In Aachen gibt es viele Männer, sehr sehr viele! Heißt im Umkehrschluss: hier gibt es kaum Frauen. Das ist wirklich so. Aachen hat die höchste Männerdichte NRWs und bei den 20-25jährigen ist sie sogar die deutschlandweit führende Männerhauptstadt.

Verpflegung

Wie bereits in einem früheren Post erwähnt, ist es mir wichtig, mich in meiner zukünftigen Heimatstadt relativ günstig vegan ernähren zu können. Aachen kann da auf jeden Fall noch etwas aufrüsten. Es gibt zwar mittlerweile ganze zwei! vegane Restaurants in Aachen – das Pfannenzauber und das Lola Paroli, beides jedoch eher Lokalitäten, um sich mal etwas zu gönnen – nix für den schnellen Hunger zwischendurch.

Wirklich empfehlen kann ich da eher das AKL – ein libanesisches Schnellrestaurant in in der Pontstraße, in Sichtweite zum Marktplatz. Hier gibt es eine große Auswahl veganer Snacks und Hauptgerichte und die Falafeln sind ein Gedicht! Empfehlung Nr. 2: Das MeiWei auf dem Karlsgraben – hier gibt es die besten Dumplings der Stadt!

Was die Verpflegung mit alltäglichem Verganerbedarf betrifft, muss sich Aachen nicht verstecken.

Denn’s Biomarkt eignet sich hervorragend für den Veganer von Welt

Allein die Innenstadt (hier braucht man zu Fuß von einem Ende zum anderen maximal 20 Minuten) hat drei relativ große Bio-Supermärkte zu bieten. Ich mag denn’s Biomarkt . Hier gibt es großartiges Obst, die Bedienung ist freundlich und ein Blick auf das äußerst skurrile schwarze Brett am Eingang lohnt sich immer!

Auch cool: der Wochenmarkt vorm Rathaus jeden Dienstag und Donnerstag Vormittag – hier gibt es neben frischem Obst und Gemüse einen fantastischen Soja-Latte!

Abenteuertauglichkeit

Hier fasse ich mich etwas kürzer. Aachen ist nicht besonders spannend. Viel Grün, ein paar coole Radwege, ein mittelprächtiger Kletterwald und sonst nicht viel.

Allerdings ist Eines nicht zu verachten: Aachen ist die westlichste Großstadt Deutschlands, heißt: die Grenze ist nicht weit, genauer gesagt zwei Grenzen. Die belgischen Nachbarn lasse ich mal außen vor (die machen ihre zugegeben herrlichen Pommes Frites leider in Rinderfett). Wirklich interessant ist eher die holländische Grenze. Mit dem Fahrrad seid ihr aus der Aachener Innenstadt in 10-15 Minuten da. Warum das für Studenten erstrebenswert ist? Na denkt doch mal nach … 😜

Anbindung

Auch hier einziger Pluspunkt: die Nähe zum Ausland. Mit dem Zug seid ihr in unter drei Stunden in Paris, nach Amsterdam braucht ihr nur unwesentlich länger und Lüttich ist sogar in unter einer halben Stunde zu erreichen. Will man allerdings irgendwo anders hin oder gar fliegen, muss man sich wohl oder übel in den Tuckerzug nach Köln oder Düsseldorf setzen.

Der wesentlich schnellere ICE fährt leider nur zwei Mal am Tag und man braucht eine gefühlte Ewigkeit, um die nächst größeren Städte inklusive Flieger gen Süden zu erreichen.

Nur der Vollständigkeit halber: Ja, Aachen hat auch einen Flughafen. Den Maastricht-Aachen-Airport. Ich bin Aachener. Ich kenne niemanden der von dort aus je geflogen wäre…

Sternenhimmel

Schwieriges Thema. In Aachen regnet es und wenn es nicht regnet, dann nieselt es und wenn es nicht nieselt, dann ist es wenigstens bedeckt. Höchst unerfreuliche Bedingungen für einen Hans-guck-in-die-Sterne wie mich und auch einer der besten Gründe, warum ich nicht einfach in Aachen bleibe, auch wenn es schön ist.

Sollte dennoch mal ein Fleckchen klarer Himmel zu sehen sein, dann gibt es genau einen Ort in Aachen, den man aufsuchen sollte: Die öffentlichen Hängematten auf dem Lousberg mit tollem Blick über die Aachener Felder und Wiesen!
Ich will entdecken, wie es in anderen Unistädten ist. Ich will die Sterne sehen …

 

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